Die elektronische Gesundheitskarte – eine Erfolgsgeschichte für die Gesundheitsberufe?- Workshop des Netzwerks Versorgungskontinuität an der FH Osnabrück mit hochkarätiger Besetzung zieht positive Bilanz - Die negativen Schlagzeilen über die Verzögerungen und politischen Querelen rund um die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK) in Deutschland sind hinreichend bekannt. Dabei konnte das Großprojekt eGK bislang zwei stille Erfolge verbuchen, die in den Schlagzeilen fehlen: ein sicheres technisches Zugriffskonzept auf Gesundheitsdaten über den Heilberufsausweis für Ärzte und Apotheker und eine Ausweitung der Ausgabe von Heilberufsausweisen auf alle Gesundheitsberufe.
Unter dem Motto „Heilberufsausweis – der Schüssel zur vernetzten Versorgung“ luden daher das Netzwerk Versorgungskontinuität in der Region Osnabrück e.V. zusammen mit der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissensc haften der Fachhochschule Osnabrück und der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie zu dem diesjährigen Workshop des Netzwer ke s Versorgungskontinuität am 6. November 2008 ein. Hochkarätige Referenten wie Dr. Jürgen Faltin vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Soziales, Arbeit und Gesundheit, Prof. Dr. Martin Staemmler von der Fachhochschule Stralsund und Dr. Monika Rausch, Sprecherin der „Interessengemeinschaft eGBR der Gesundheitsberufe in Deutschland“ zeigten den ca. 70 TeilnehmerInnen die Chancen für die Einbindung aller Gesundheitsdienstleister in den elektronischen Kommunikationsprozess zur Patientenversorgung auf. Zentrales Element der Einbindung stellt der elektronische Heilberufsausweis mit seiner Signaturfunktion dar, der für die Gesundheitsberufe – wie die B undesländer beschlossen haben – durch das elektronische Gesundheitsberuferegister (eGBR) herausgegeben wird. Ärzte und Apotheker erhalten den Heilberufsausweis weiterhin nicht über das eGBR, sondern letztlich über ihre Kammern. „Ohne ein Gesundheitsberuferegister hätten die Pflegekräfte, Hebammen, Therapeuten und Gesundheitshandwerker“, so Dr. Faltin, einer der maßgeblichen Architekten des eGBR, „gar keine Chance, an einen Heilberufsausweis heranzukommen.“ Damit wäre die große Anzahl der Gesundheitsberufe mit ihren 2,3 Mio. Angehörigen von dem elektronischen Informationsfluss abgeschnitten. Um das eGBR und den Heilberufsausweis voranzutreiben hatten sich Anfang 2008 die maßgeblichen Verbände von Gesundheitsberufen zur Interessengemeinschaft eGBR zusammengeschlossen. Sie fordern, wie Frau Dr. Rausch in ihrem Referat deutlich machte, eine fachliche Mitgestaltung des neu zu gründenden Registers. Geht es nur dem Gesetz nach, liegt das Register in der alleinigen Regie der Länder. Ohne Heilberufsausweis keine elektronische Gesundheitskarte und umgekehrt: beide Entwicklungen sind gesetzlich und technisch eng miteinander verwoben. Professor Staemmler erläuterte die komplexen Zusammenhänge aus Sicht der Informatik - auch für Nichtexperten verständlich. In Sachen Einschätzung der aktuellen Lage wurden seine Ausführungen durch einen Bericht über die Testregion Bochum-Essen des Telematikbeauftragten der Knappschaft, Dieter Zöpfgen, unterstützt. Auf zeitliche Prognosen über die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte ließen sich weder Herr Staemmler noch Herr Zöpfgen ein. Denn die technischen Details sind es häufig, die den praktisch Tätigen Kopfschmerzen bereiten, wie Herr Dr. Thiele bereits in seiner Begrüßung und Herr Dr. Unnewehr aus ärztlicher Sicht zu berichten wussten. Die Gesundheitskarte darf, so die beiden Ärzte, zu keinem Instrument der Bürokratie werden. Dass der Workshop des Netzwerkes Versorgungskontinuität in den Räumlichkeiten der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften stattfand, ist kein Zufall. Die Fakultät bildet seit Jahren in ihren Studienprogrammen unterschiedliche Akteure im Gesundheitswesen aus und hat in den letzten Semestern neue spezifische Bachelor- und Masterangebote geschaffen, die Pflegekräften, Physio- und Ergotherapeuten, Hebammen, Logopäden und Managern im Gesundheitswesen zugute kommen. Auch in der Forschung konnte sie die Klammer um die Gesundheitsberufe legen. So ist das Netzwerk Versorgungskontinuität in der Region Osnabrück e.V., dem alle großen – wie Klinikum, Marienhospital, Diakoniewerk u.v.a. - und viele kleine Gesundheitseinrichtungen der Region angehören, aus einer Serie von Forschungsprojekten von Prof. Dr. Ursula Hübner entstanden.
Vieles ist durch die elektronische Gesundheitskarte und die Heilberufsausweise in Deutschland in Bewegung gekommen, manches Technische, vieles Organisatorische. Und dazu zählt auch die Chance für eine neue Rolle der Gesundheitsberufe in der Patientenversorgung, so der Moderator der Veranstaltung, Dr. Carsten Giehoff von den Corantis-Kliniken. |